3 am thoughts & rabbit holes

Grenzen

Wer frei geht, denkt nicht an die Luft.

Klar.

Wer frei spricht, denkt nicht an Zensur.

Wer liebt, nicht an die Haut, bis sie dann brennt.

Grenzen sind keine großen Ideen.

Sie sind das, woran du dir die Knie aufschlägst.

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Ist das ein Blutfleck? Da an deiner Hand.

Meine halbe Familie stammt aus dem Westjordanland. Aus Bethlehem, um genau zu sein. Palästinenser. Vertrieben, entwurzelt, gezwungen, in Zelten zu leben. Ich war nicht dabei, aber so hat man es mir erzählt. Kann ein Staat, der aus historischem Unrecht entstanden ist, selbst Unrecht verursachen, und trotzdem moralisch bestehen? Diese Spannung ist bis heute ungelöst. Ein Staat, der aus der Erfahrung von Verfolgung und Entrechtung geboren wurde, sollte besonders sensibel gegenüber der Entrechtung anderer sein. Viele israelische Intellektuelle (z. B. Amos Oz, Yeshayahu Leibowitz, David Grossman) haben genau diese Mahnung formuliert: Dass die Existenz Israels nicht losgelöst von der Realität der Palästinenser gedacht werden kann. Doch was heute geschieht, ist eine weltweite Verhärtung und sie eskaliert.

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Über den Artikel „Lesungen“ in der Zeit.

Ich finde Lesungen langweilig. Größtenteils jedenfalls. Also meistens. Aber es gibt Ausnahmen. Diese wenigen Rampensäue, die einen Saal nicht nur bespielen, sondern tragen. Die nicht einfach Melusine, Melusine und Krahwehl, Krahwehl herunterleiern, sondern erzählen können. Die plaudern können. Die das Publikum (das schließlich Geld bezahlt hat) für eine Weile wirklich mitnehmen und entführen.

Worum es bei Lesungen wirklich geht

Ich glaube, bei Lesungen geht es selten darum, sich etwas vorlesen zu lassen. Viele im Publikum haben das Buch längst selbst gelesen. Sie kommen nicht, um den Text noch einmal zu hören. Sie kommen, um der Person hinter dem Buch näherzukommen. Nicht im Sinne von Klatsch oder Promi-Fotos. Sondern im besten Sinne: ein paar Zentimeter mehr Verständnis. Ein kleiner Spalt in der Tür.

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Ein Lagebericht aus der Timeline Hölle

Ich werde manchmal gefragt, warum ich in den sozialen Medien so wenig unterwegs bin. Die ehrliche Antwort wäre: weil ich meine geistige Gesundheit schätze. Die etwas höflichere: weil ich keine Lust habe, in einem Dauerzustand aus Reklame und Meinungsmüll zu leben. Und die bösartige: weil mir der Algorithmus inzwischen so auf die Nerven geht, dass ich ihm nicht mal mehr einen Klick gönnen möchte.

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Die Selbstüberschätzten

Es beginnt vielleicht mit einem Satz am Kinderbett. „Du kannst alles werden.“ Die Decke riecht nach frischem Waschmittel, irgendwo glimmt ein Nachtlicht, und auf dem Nachttisch schläft ein Smartphone mit noch halb geöffneter Ratgeberseite über „fördernde Erziehung“. Das Kind blinzelt, die Wimpern wie kleine Schattenstreifen auf der Haut. Was als Trost gemeint ist, sinkt wie ein zarter, aber unerbittlicher Auftrag in die Brust: Alles. Immer. Überall.

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Haben Sie eine Minute? Eine Philosophie der Zeit

Die Zeit betritt den Raum, ohne die Tür zu benutzen.

Sie ist einfach da. Ein kaum hörbares Ticken über der Tür, das zögernde Summen einer alten Heizung, eine Staubfahne im Licht. Ein Glas Wasser auf dem Tisch, in dem etwas Unsichtbares leise seine Kreise zieht. Man könnte sagen, es sei bloß Nachmittag. Eine Uhr, zwei Zeiger, zwölf Zahlen. Man könnte sagen, es sei nichts Besonderes.

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Über Prinzessinnen schreiben

Im Gespräch mit Jagoda Marinić sagt Caroline Wahl, es sei eine Bedrohung, wenn man nicht mehr über das Nicht-Autobiografische schreiben dürfe. Sie hat recht; die Gefahr ist längst von den Hetzenden in die Institutionen übergesprungen. Ich habe lange gezögert, mich zu dem, was mir widerfahren ist, zu äußern:

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